Prokrastination, eine psychische Störung?

Prokrastination, pathologisches Aufschieben, Ärgerstörung, Frustrations-Intoleranz, Arbeitsstörung, Entscheidungsprobleme –

wenngleich solche Begleitumstände des aktiven Lebens sich für die aktiv wie passiv Betroffenen als äußerst störend auswirken können, werden sie in den maßgeblichen klinisch-diagnostischen Leitlinien der ICD-10 und DSM-IV nicht speziell aufgeführt. Lediglich mögliche Ursprungs- oder Folgeerkrankungen wie etwa Depression, Zwangsstörung, Angststörung, Anpassungsstörung oder Belastungsstörung oder auch Wahnvorstellugnen sind dort kodifizierbar, oder als „sonstige“ auch die Arbeitsstörung..

Die Frage der Klassifizierung hat für den Betroffenen immer auch damit zu tun, wie sich die Veränderung seiner subjektiven Befindlichkeit finanziell auswirkt, unter welcher Flagge und ob überhaupt eine Kostenerstattung durch seine Krankenkasse möglich ist.

Solange kaum repräsentative und systematische Studien über Epidemiologie und Verlauf dieses Störungsbildes vorliegen, und solange nicht darzustellen ist, dass Prokrastination nicht Ursache, sondern „nur“ Folge einer der vorganennten kodifizierten Störungen ist, wird sich daran auch nichts ändern. Auch wenn vermutlich 80 – 90% der Studierenden im Laufe ihres Studiums eine Periodenprävalenz, und vermutlich  4 -7 % der Bevölkerung eine lebensweltliche Betroffenheit von aufweisen, bleibt die Lösung des Problems im Bereich der privaten Lebensbewältigung und wird nicht aus den Mitteln der Solidargemeinschaft getragen.