Warum braucht es eine andere Art – und welche?
Manchmal krallt sich das Prokrastinieren regelrecht im Erledigungs-Alltag fest, als ginge es um alles. Und lässt sich, falls überhaupt, nur mit Gewalt oder Tricks aus der persönlichen Benutzeroberfläche unserer Entscheidungsoptionen entfernen. Wie ein Tier fast, das nicht aufgibt, etwas, was zu ihm gehört, mit Zähnen und Klauen festzuhalten. Ein gar nicht so abwegiger Vergleich, wie wir noch sehen werden. Denn oft geht es um Essenzielles.
Vielleicht erwarten Sie von einer PROKRASTINATIONSBERATUNG vor allem eine rapide und radikale Lösung: schnellen Zugriff, wirksame Selbstüberlistungstricks, mehr Disziplin, bessere Zeit- und Arbeitsorganisation.
Doch hartnäckiges Prokrastinieren kriegen Sie damit nicht dauerhaft aus Ihrem Alltag.
Warum ist das so? Warum haben Ihre bisherigen Bekämpfungsstrategien so wenig verändert?
Eine erste wichtige Antwort lautet:
Wer immer wieder und dauerhaft aufschiebt, tut dies nicht unbedingt deshalb, weil er nicht weiß, wie man eine Aufgabe erledigt. Oder ob man jetzt „Lust“ hat. Oft bedtimmt etwas ganz anderes die Regeln dieses Spiels.
Worum geht es beim Aufschieben wirklich?
Bei genauem Hinschauen zeigt sich tiefgreifendes Prokrastination als ein Versuch, etwas einzurichten, das nicht einfach nur Bequemlichkeit liefern soll, sondern Wichtigeres: Mehr Sicherheit, mehr Möglichkeiten, mehr innere Stimmigkeit, oder die Aussicht auf mehr Erfüllung.
Eine schnell durchgesetzte Erledigung wird dann zwar Produktivität wiederherstellen. Sie kann aber zugleich etwas abbrechen, das innerlich noch nicht ausreichend entwickelt ist. Und das bis zur nächsten sich bietenden Gelegenheit vorgetragen wird.
Darum setzt genau hier die PROKRASTINATIONSBERATUNG an.
Sie versucht nicht nur, das Aufschieben möglichst schnell zu überwinden oder abzuschaffen. Sie nimmt ernst, warum das Aufschieben überhaupt so hartnäckig bleiben will.
Denn manchmal ist das Zögern nicht einfach ein „Fehler im System“. Es ist ein Hinweis darauf, dass etwas Wesentliches noch nicht geklärt ist.
Darum gibt es ein Für und Wider der Prokrastination
Zögern, Aufschieben, Abwarten und Vertagen können einen wichtigen „Möglichkeitsraum“, eine Entscheidungsvielfalt geöffnet halten. Eine vorschnelle Entscheidung könnte diese Möglichkeit eingrenzen oder ganz abschneiden.
In diesem Sinne kann Prokrastination zeitweise sogar eine unerkannte Entwicklungsfunktion enthalten. Sie verhindert, dass etwas zu früh in eine Realitätsform gezwungen wird, für die innerlich noch keine tragfähige Entsprechung gefunden wurde.
Genau darin liegt die Gefahr.
Aus dem geschützten Zwischenraum (Sie erkennen ihn an den bekannten überbrückenden Ersatzhandlungen) kann eine Endlosschleife werden. Das „Noch-nicht“ wird zur dauerhaften Suspension. Das Aufschieben „schützt“ dann nicht mehr nur vor einer vorschnellen Festlegung, sondern zunehmend auch davor, dass die eigenen Vorstellungen tatsächlich an der harten Realität erprobt werden könnten.
Die Aufgabe der PROKRASTINATIONSBERATUNG
Vor diesem Hintergrund sehen wir die Aufgabe der PROKRASTINATIONSBERATUNG nicht nur darin, aus einem unentschlossenen „Noch-nicht“ ein erledigtes „Ja“ oder „Nein“ zu machen. Entscheidend ist vielmehr:
Zwischen dem abwartenden Zögern und der zu erschaffenden Wirklichkeit einen offenen Austausch, quasi ein Beziehungsdialog entstehen zu lassen.
Strukturierung, die mit dem LEDZ GO!-Scan unterstützt wird, dient dabei nicht der schnellen Antwort für auftauchende Fragen, an denen die Prokrastination sich zu erkennen gibt. Sie eröffnet die Möglichkeit, einen „Versuch vor der Wirklichkeit“zzu starten.
Handeln aus einem Noch-nicht heraus
Die zentrale Strategie der PROKRASTINATIONSBERATUNG besteht darin, die Spannung zwischen zwei berechtigten Bedürfnissen zu nutzen und zu bearbeiten, nämlich zwischen
dem Bedürfnis, etwas noch offen zu halten – und dem Bedürfnis, handlungsfähig zu bleiben.
Handlungsfähigkeit bedeutet dann nicht sofort, das „Noch-nicht“ abzuschaffen oder zu überspringen.
Sie bedeutet, aus der Unentschiedenheit heraus handeln zu können, ohne sie dadurch zu verleugnen.
Das kann beispielsweise heißen:
Sie kommen ins Tun, obwohl Sie noch nicht alles wissen, noch nicht alles können, noch nicht volkommen klar sind. Und bleiben aufmerksam uns reaktionsfähig.
Es geht um einen praktischen, aber abgesicherten Versuch: Handeln, ohne zu müssen, aber so, als wäre bereits alles geklärt.
Prokrastination als Grenzphänomen
Diese Sicht verändert bei uns den Blick auf die Prokrastination selbst. Sie ist weder bloß eine lästige Störung im Ablauf (was tatsächlich immer eine sehr begrenzende Feststellung war), noch eine bequeme Behütung der trägen Innenwelten.
Sie ist ein Grenzphänomen zwischen den vielen Möglichkeiten und der endgültigen Wirklichkeit.
Manchmal schützt sie einen Zusammenhang, der noch nicht verstanden ist. Manchmal hält sie einen Konflikt offen, der noch nicht verhandlungsfähig ist. Und manchmal schützt sie vor der Zumutung, dass jede tatsächliche Entscheidung andere Möglichkeiten scheinbar ausschließt.
Denn das gehört zum Wesen des Handelns: Entscheiden heißt immer auch, anderes zunächst nicht zu tun.
Der entscheidende Punkt ist deshalb nicht, jeden möglichen Verlust zu vermeiden. Es geht vielmehr darum, den Moment einer Entscheidung nicht mit einer endgültigen Selbstdefinition zu verwechseln.
Eine Entscheidung ist nicht mehr als einer der unvermeidlichen Schritte in die Wirklichkeit – und sie ist kein Urteil darüber, wer Sie sind.
Was die Beratung leisten will – und kann
Das Ziel der PROKRASTINATIONSBERATUNG ist nur mittelbar: die Prokrastination möglichst schnell zum Verschwinden zu bringen. Das wichtigste Anliegen ist zunächst, dafür zu sorgen, dass sie sich nicht existenziell zerstörerisch auswirjen wird. Denn Fristen, Beruf und Einkommen, Studium, Beziehungen, finanzielle Verpflichtungen oder Gesundheit dürfen nicht dauerhaft unter dem Aufschiebereflex leiden.
Dafür braucht es eine äußere Sicherung.
Und eine innere Forscherhaltung:
- Was möchte hier eigentlich noch nicht entschieden werden?
- Was würde durch eine vorschnelle Entscheidung verloren gehen?
- Welche Möglichkeit soll erhalten bleiben?
- Welche innere Wahrheit versucht sich vielleicht erst zu bilden?
- Und woran könnte man sie in der Wirklichkeit erproben?
Die Beratung schafft damit beides:
ökonomische Rückendeckung nach außen – und offenen Forschungsraum nach innen.
Zwei Ebenen der PROKRASTINATIONSBERATUNG
1. Richtung finden
Der offene Möglichkeitsraum darf erkundet werden, bis sich eine tragfähige Richtung abzeichnet.
Prokrastination kann dabei ein Hinweis sein:
Eine innere Festlegung will zumindest abgewogen werden.
2. Handlungsfähigkeit sichern
Gleichzeitig darf die offene Suche nicht dazu führen, dass die äußere Realität Schaden nimmt.
DIes ist der funktionale Mehrwert des Aufschiebens
Prokrastination ist nicht einfach „Störung“ oder „Defizit“.
Bei chronischen Verläufen greift auch die Erklärung zu kurz: „Ich vermeide eine unangenehme Aufgabe, weil kurzfristige Erleichterung angenehmer ist.“ Das kann sich genau so anfühlen. Es erklärt aber nicht, warum das Aufschieben sich so hartnäckig fortsetzen kann.
Das aber tut es, weil es einen strukturellen Nutzen hat: Möglichkeiten offenhalten, vor vorschneller Festlegung schützen, Ambivalenz erhalten und einen Zwischenraum schaffen, in dem Richtung, Identität und Bedeutung weiterentwickelt werden können.
Die Frage in der PROKRASTINATIONSBERATUNG lautet deshalb nicht nur: „Wie werde ich das Aufschieben los?“ Sondern auch:
„Wovor schützt mich das Aufschieben – und was versucht es für mich offenzuhalten?“
Die Kehrseite
Diese abwartende und gleichzeitig kreative Funktion, die innerlich schützt, kann allerdings äußerlich teuer werden.
Was zunächst Entwicklung und Ergebnisoffenheit ermöglicht, kann irgendwann zu Fristversäumnissen, Pflichtverletzungen, finanziellen Kosten, beruflichen Schwierigkeiten oder Belastungen in Beziehungen führen.
Genau in diesem Spannungsfeld liegt die doppelte Aufgabe der PROKRASTINATIONSBERATUNG:
nicht das Aufschieben blind zu bekämpfen, aber auch nicht seine Kosten schönzureden oder zu ignorieren.
Es geht darum, die Funktion des Aufschiebens zu verstehen, seine schützende Bedeutung ernst zu nehmen, seine schädlichen Folgen zu begrenzen – und Schritt für Schritt wieder Handlungsspielraum zu gewinnen.
DIe Erfolgsspur
Das Wunschziel in einer PROKRASTINATIONSBERATUNG wird nicht unbedingt lauten: „Ich prokrastiniere nicht mehr.“
Sondern eher:
„Ich kann mein Aufschieben wahrnehmen, seine Folgen begrenzen, seine Botschaft ernst nehmen – und trotzdem so viel handeln, dass mein Leben nicht daran zerfällt.“
Dabei führt das
zu weniger reflexhaftem Prokrastinieren und zu bewussterem Umgang lit dem Drang zum Aufschieben ,
zu differenzierteren Entscheidungen,
vielleicht auch zu neuen Einsichten, die bislang keine Stimme und kein offenes Ohr hatten.
Die PROKRASTINATIONSBERATUNG will nicht einfach das „Noch-nicht“ abschaffen. Sie will Ihnen ermöglichen, aus ihm heraus eine selbst geschaffene Wirklichkeit entstehen zu lassen.
Informationen und Kontakt: E-Mail: info@pro-cras.de, Tel. mobil: 01520 9887966