Unbezahlte Rechnungen – die hohe Kunst des Aufschiebens?

Fällige Zahlungen vor sich her zu schieben ist für so manchen vielleicht Ausdruck einer besonders strengen Ausgabenkontrolle, nennen wir’s „Knickerigkeit“. Für viele Menschen ist es aber ganz einfach das einzige Mittel zum finanziellen Überleben: Riskantes Mangel-Management auf extrem dünnem Eis.

Dass zum Monatsende die Zahlungsbereitschaft rapide abnimmt, weil einfach das Geld aus ist, wird wohl kaum jemandem fremd sein. Kritisch wird es, wenn die Zahlungslücken von morgen mit den Zahlungseingängen von übermorgen gestopft werden sollen – weil die von morgen schon verplant sind. Dieses Kiunststück schafft auf die Dauer weder die private Haushaltskasse noch das große Finanzrad, das bisweilen von betrügerischen Finanztraumtänzern gedreht wird, und regelmäßig kleine und auch sehr große Vermögen zerstört.

Zahlungsgläubiger auf „morgen“ vertrösten will gekonnt und gelernt sein, um nicht sofort an den Inkassoaktionen und gesetzlichen Sanktionen zu scheitern. Gehören die Verzögerungstaktiken jedoch bereits zum regelmäßigen Repertoire, wird sehr schnell Unredlichkeit daraus, später dann auch mehr oder weniger stark entwickelte kriminelle Energie, wenn sich die Zahlungsmoral völlig von den gesellschaftlichen Normen abgelöst hat. Der Versuch, langfristige Verbindlichkeiten mit kurzfristigen Zahlungsspritzen durchzufinanzieren, muss auf die Dauer scheitern. Die Bücher der großen Pleiten sind voll davon, und auch die der Creditreform und Schufa.

Aber nicht immer zeugt Zahlungsverzug von schlechtem Benehmen, vielmehr von existenzieller Not des Zahlungsverpflichteten. „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“, sagt Bert Brecht in seiner Dreigroschenoper, und nicht für jeden Schuldner ist das komplizierte Jonglieren mit Zahlungsterminen und -möglichkeiten eine rein spannende sportliche Betätigung. Es ist die hohe Kunst des Überlebens in einer „just on time“-orientierten Welt, aus der du sehr schnell riskierst, herauskatapultiert zu werden..

Wenn aufgeschoben wird, weil die (finanziellen) Mittel nicht reichen, ist dringender Beratungs-und Handlungsbedarf gegeben – denn:

Prokrastination ist kein geeignetes Mittel der Cash-Flow-Steuerung!

Gleichwohl treibt das Aufschiebeverhalten in diesem Bereich seine wildesten Auswüchse. Weil nämlich Geld, der Umgang mit Geld und die Bewertung des Umgangs mit Geld an die Grundfesten zwischenmenschlicher Emotionalität rührt. Hier sind die sensibelsten Stellen und die größten Verletzungen zu erwarten. Und hier legt sich immer noch ein neues Aufschieben auf alles andere schon bisher Geschehene.

pro-cras-Prokrastinations-Coaching hilft Ihnen, diesen so sehr mit tiefer Angst und Scham besetzten höchst intimen Bereich sehr behutsam aber auch sehr konsequent zu lüften und einer Klärung zuzuführen!