Die Angst vor der Einsamkeit

Wer aufschiebt, tut dies oft nicht einfach, weil ihm das Thema, die Aufgabe und die Folgerungen widerstreben. Im Grunde tut er es aus seiner tiefen Angst heraus, mit diesen inneren Widerständen allein, ganz alleine konfrontiert zu sein.

Sich den Herausforderungen zu stellen, die wir unbegreiflicherweise weder zu bewältigen noch abzulehnen wagen, das Eingeständnis, Schwäche nicht in sinnvolle Aktion umwandeln zu können, die Erfahrung, dass uns da etwas Mächtiges, Unbenennbares fest im Griff hat, erweckt in uns ein starkes Gefühl der Einsamkeit mit uns selber, von dem wir glauben, dass wir es nicht werden aushalten können. Handlungsersatz bzw. Ersatzhandlung retten uns vor dieser Einsamkeit: Jetzt tun wir wenigstens etwas und sind damit nicht mehr alleine.

Wer die Pokrastinations-Versuchung überwindet, macht die Erfahrung, dass diese Einsamkeit, dieses Alleingelassensein abgelöst wird von dem befreienden Gefühl, einen Begleiter, einen neuen Freund an der Seite zu haben. Dahinter verbirgt sich in der Tat niemand anderes als eben jene Herausforderung, die wir nun an unsere aktive Hand nehmen, und die jetzt zu einem Teil unsere kreativen Lebens geworden ist.

Wie der Schritt getan wurde, durch eigene Erkenntnis, vielleicht auch den Mut der Verzweiflung, oder im Zuge eines klärenden therapeutischen Prozesses, im Ergebnis bleibt es das stets gleiche beglückende Gefühl, einen verloren gegangenen Teil persönlicher Autonomie wieder gewonnen zu haben.