Der LEDZ GO!©-Scan

 

Den LEDZ GO!©-Prozess zu durchlaufen bedeutet:

In einem strukturierten Ausschlussverfahren die (selbst-) schädlichen oder verletzenden Referenzen zu identifizieren, die aus akuten Gegebenheiten, Erfahrungen oder Erwartungen heraus in der Lage sind, Sie in Ihrem Vorhaben so massiv auszubremsen, dass Sie zunächst nicht anders können als aufzuschieben.

Der Fragenkatalog

Nehmen Sie sich ein paar Minuten Auszeit an einem ungestörten Ort, legen etwas zum Notieren bereit, und richten Ihre Aufmerksamkeit dann auf das Thema, bei dem der Aufschiebereflex droht. Fühlen und denken Sie sich hinein, und stelle die Fragen, die zu den 7 Aspekten des LEDZ GO!©-Scans gehören, wie du es im folgenden Beispiel findest. Wo immer etwas Bemerkenswertes, ein Gefühl, ein Gedanke auftaucht, notieren Sie es, vielleicht schon mit seiner ersten aufkommenden Antwort, machen dann weiter und kümmern sich schließlich darum, die nötigen Konsequenzen zu ziehen:

L

Lücken verlangen aufzufüllen, was noch fehlt: Möglicherweise stoßen Sie hier auf etwas Zentrales oder nur Beiläufiges, das Sie wissen, können, lernen müssten, fehlen Fähigkeiten oder Fertigkeiten, Informationen oder Instruktionen, ohne die Sie es sich nicht zutrauen oder zumuten wollen, anzufangen oder weiterzumachen? Sind Sie sachlich/fachlich der Herausforderung gewachsen? Mit welchen zusätzlichen Kenntnissen würden Sie nicht aufschieben müssen? Welche Ihrer liebsten Begabungen haben Sie noch nicht in Ihr Projekt einbringen können? Welche Ihrer Kompetenzen ist in diesem Projekt nicht zu seiner Meinung befragt worden?

What I cannot imagine stands guard over everything that I must/can do, think, live.“ Gayatri Spivak

E

Erinnert Sie in Ihrem aktuellen Projekt etwas in negativer oder belastender Weise an ein früheres, nicht gut gelaufenes Geschehen? An schlechte Erfahrungen, aus denen Sie heute ebenso ungute Erwartungen ableiten? Kommen Emotionen auf, für die Sie vielleicht erst einmal keine Erklärung haben? Die sich vielleicht körperlich ausdrücken, in Übelkeit, Kopfdruck, Schwindel oder anderem? Emotionen, die Sie auf keinen Fall so noch einmal erleben wollen?

Prokrastination ist nicht nur ein mechanisches Reagieren auf äußere Umstände. Sie ist auch ein Seelenspiegel, und hat damit eine wichtige Schutzfunktion. Dann schiebt Prokrastinieren einen schützenden Abstand zwischen Sie und das, was Ihnen ganz bewusst oder auch unbewusst bedrohlich erscheint. Genauso aktiv, wie eine freudige Erwartung Sie alle Schwierigkeiten meistern lässt, können ablehnende Gefühle Sie bis zum völligen Stillstand ausbremsen. Nehmen Sie sie wahr, und überprüfen Sie kritisch ihren Wahrheitswert und die tatsächliche Relevanz in Bezug auf das aktuelle Geschehen..

D

Disziplin ist für ein Reizwort, das entweder Bewunderung oder sofortigen Widerstand auslöst. Woher kommt das? Es gibt einen natürlichen Widerstreit zwischen dem Urbedürfnis nach seelischer und körperlicher Sicherheit, nach Komfort, nach ökonomischem Energieaufwand und kurzfristiger Bequemlichkeit einerseits, und den Anforderungen, die Ihr Projekt an Sie stellt, auch und nicht zuletzt aus langfristiger Sicht. Dieser Konflikt ist nur durch Routinen und durch Disziplin zu überbrücken – eine mentale Hinhaftnahme, der wir nur zu gerne ausweichen, die wir aber trainieren können. Die Fähigkeit, seine Aufmerksamkeit, seine Emotionen, seine Impulse und Handlungen selber zu steuern, nennt man Selbstregulierung – was nichts anderes ist als „Umsetzungsstärke“ oder „Willenskraft“. Disziplin hilft, die dafür mit sich selbst zu treffenden Vereinbarungen einzuhalten – was umso leichter geht, je klarer und verlockender das Ziel vor Augen steht.

Z

Ziele sind die besten Freunde der Motivation. Entspricht das, was Sie vorhaben, Ihren Zielen? Haben Sie Vorbehalte? Oder keine klare Zielbeschreibung? Folgen Sie fremden Zielen? Können Sie deswegen keine Motivation entwickeln? Überprüfen Sie Ziele zunächst nach dem HaVe A Dream-Prinzip: welches ist Ihr Traum, wie lautet Ihre Absicht, wie ist dazu Ihre Haltung, und wie gut passt dazu Ihr Verhalten.

In einem nächsten Schritt schauen Sie, ob Ihre weiteren Einzelschritte und Ziele wirklich „smart“ sind, also ausreichend spezifiziert, messbar, realisierbar, attraktiv und terminiert?

Es ist hilfreich, dabei ehrlich mit sich umzugehen. Denn unklare Ziele führen immer zu unklaren Ergebnissen. Und auch vor denen will Sie Ihr Prokrastinieren verschonen. Klare und zu Ihnen passende Ziele sind die starken magnetischen Kräfte, die Sie durch die unvermeidlichen Frustrationsmomente manövrieren.

G

Gesundheit ist vielleicht das Letzte, an das Sie im Zusammenhang mit der Prokrastination denken. Und doch gibt es eine direkte Verbindung zwischen Ihrer Gesundheit, Ihrer körperlichen und geistigen Energie und Ihrer Bereitwilligkeit oder Unvermeidlichkeit, etwas aufzuschieben. Also: Haben Sie genug und erholsamen Schlaf, stören Allergien, Unverträglichkeiten, Medikamente, Drogen oder Stress Ihre Konzentrationsfähigkeit, spielen Ihre Organe mit, und ist Ihr mentales Potenzial für das, was Sie vorhaben, gut gerüstet? Hartnäckiges Aufschieben wichtiger Aktivitäten kann auch in gelegentlich nicht erkannten Krankheitsbildern auftreten wie: Schilddrüsenunterfunktion, Morbus Pfeiffer, Fatigue (anhaltende Müdigkeit, Erschöpfung, Antriebslosigkeit), CFS (neuroimmunologische Erkrankung des Immunsystems und des Energiestoffwechsels), Vitamin B12-Mangel, Blutarmut u.a. Für die meisten Prokrastinierenden sind  ihre Beschwerden nicht derart massiv verursacht. Im Zweifelsfall kann ein vergewissernder Rückblick auf den letzten medizinischen Check weitere Sicherheit geben.

„Gesundheit“ meint auch die mentale Gesundheit. Sie kommt überall dort zu kurz, wo Stress entsteht: in der Überforderung ebenso wie in der Unterforderung. Stress wird zwar zunächst vom einzelnen Gestressten wahrgenommen, letztlich wird er für das Team als Ganzes zum Problem. Mentale Gesundheit sollte daher – aus Gründen der Fürsorgepflicht wie im Interesse der gesamten Unternehmung – Teil der DNA jeder Organisation sein. Die professionelle Versorgung eines exzessiven Aufschiebeverhaltens gehört dazu.

O

Organisation und Ordnung sind tragende Umgebungskomponenten, derer Sie sich versichern sollten, damit sie Ihr Projekt unterstützen. Sie sollen Ihnen die Struktur geben, in der Sie kreativ werden können. Zu ihnen gehören so wichtige Größen wie die inhaltliche Planung des Projektes, die Planung des zeitlichen Umfangs und der Einzelschritte, in die das Projekt aufzuteilen ist, die Planung des Budgets, Planung und Zustand der Örtlichkeiten, des Materials und des human networks: Andere Menschen spielen bei Ihrem Vorhaben eine wichtige aktive, begleitende, tragende oder manchmal auch störende Rolle. Sind sie für Sie da, oder stören und sabotieren sie Sie?

Zeitmanagement ist eine besondere Form der Organisation. Sie wird durch mehr und schnelleres Arbeiten nicht effektiver.Au ch „Multitasking“ verbessert die Zeitausbeute nur selten. Auf ein und der selben Verarbeitungsebene bevorzugt das Gehirn nachweislich ein serielles Arbeiten – eines nach dem anderen abzuarbeiten erspart häufigen Wiederneustart. Richtig kontraproduktiv wirkt das mediale und digitale Multitasking: Es verringert die Fähigkeit, aufmerksam zu bleiben, und reduziert die Leistung des episodischen Gedächtnisses.

((!))

Das Ausrufezeichen steht für alles, was Ihre Aufmerksamkeit auf sich ziehen will, ohne sie wirklich zu verdienen. Immer meldet sich etwas angeblich sehr Dringendes, das Sie in Ihrem Vorhaben unterbricht. Auch Kleinigkeiten wie etwa Klingeltöne nutzen Ihre latente Ablenkbarkeit, um Sie aus dem Arbeits-Flow zu bringen. Der Weg zurück in den Arbeitsfluss ist dann immer schwer zu finden. Tun Sie sich also selbst den Gefallen: Nehmen Sie wahr, was Sie aus Ihrem Rhythmus bringen konnte, notieren Sie  es, um seine Bedeutung anzuerkennen und um es nicht aus dem Auge zu verlieren, und dann lassen Sie es los und setzen Ihr Projekt fort. Erinnern Sie sich daran, wie unangenehm es Sie selbst berührt, wenn Sie irgendwo mit einem Anliegen vorsprechen, und ständig kümmert sich Ihr Gegenüber mehr um eingehende Telefonate als um Sie. Ihr aktuelles Projekt ist wichtiger als jeder Klingelton!

Eine gute (weil radikale) Hilfe dabei ist das bewusste zeitweise Vom-Netz-Gehen. Arbeitsabläufe, die nach dem so genannten  „P (o) m (o) d (o) r (o)“ – Prinzip gegliedert sind (bei dem jeweils ca. 45-minütige Arbeitsphasen im Wechsel stehen mit ca. 5 -10-minütigen Pausenphasen), erlauben, auch in intensiven Arbeitsklausuren den Kontakt mit der digitalen Umwelt zu erhalten und gleichzeitig die unpassenden Aufmerksamkeitswünsche effektiv zu steuern.