Das in Verruf geratene D-Wort

Dead-Line, Durchalten, To-do-Liste, das alles hat das Zeug zum D-Wort.

Heute aber sprechen wir über: DISZIPLIN.

An der Disziplin scheiden sich die Geister: Für die einen ist sie Joch, Korsett, Kreativitäts-Killer, für andere eher notwendiger Taktgeber, Überbrückungshilfe im Formtief, unverzichtbares Instrument für Planung und Selbstverwirklichung. Ausschlaggebend ist sicherlich die Vorsilbe SELBST- : Mit ihr wird Disziplin erst richtig akzeptabel und wirksam, und sie befreit sie von dem Makel des rein „extrinsischen“, nur von außen verordneten Steuerungsinstruments.

Selbstdisziplin steht tatsächlich in dem Ruf, über Erfolg oder Misserfolg in jedem Lebensbereich zu entscheiden. Warum aber hat sie trotz ihrer segensreichen Wirkungen so einen lustfeindlichen, moralinen Ruf?

Im allgemeinen Verständnis hat Disziplin sehr viel zu tun mit Pflichterfüllung durch Verzicht auf Angenehmes – Komponenten, die wir auch aus dem Formenkreis der Prokrastination kennen. Selbstverwirklichung durch Selbstbegrenzung – wie soll das gehen? Selbstdisziplin müsste doch gerade den volatilen kreativen Geistern im Wege stehen. Und doch ist offenbar das Gegenteil richtig: Verinnerlichte Disziplin hilft, aus Momenten der Trägheit und des Durchhängens herauszukommen, auch wenn alle anderen vernünftigen Argumente schon wegverhandelt wurden. Hier kommt allerdings noch ein anderes D-Wort ins Spiel:

Die Ego-DEPLETION.

Hinter ihr steht die wissenschaftlich vermessene Endlichkeit der Verfügbarkeit unserer willentlichen Kraftreserven. Wir haben alle schon die Erfahrung gemacht, dass in dem Maße, wie die Versuchungen anwachsen, die willentlichen Abwehrkräfte schwinden. Konsequentes Wollen findet als Ergebnis von Gehirnarbeit statt, und die kostet Kraft. Dazu gehört auch die ständige Kontrolle aller möglichen verführerischen Impulse. Je mehr sich unsere Willenskräfte aufteilen müssen auf die unterschiedlichsten Versuchungsszenarien, umso eher nähern sie sich der Grenze, wo sie erschöpft werden. Jetzt müsste einfach physischer Brennstoff nachgelegt werden.

Ist vielleicht DEXTROSE die praktische Lösung?

Das Wort erinnert sofort an ein bekanntes Traubenzucker-Produkt, dass schnelle Energielieferung verspricht, und das wissenschaftlich mit „Glucose“ zu bezeichnen ist. Der Stoff wirkt sehr schnell, bringt den Insulinspiegel auf Höchstwerte und setzt sich mit knapp 400 kcal/100g als Fettreserve in der Leber ab. Ob solche Effekte in besonderen Situationen oder gar auf Dauer hilfreich und wünschenswert sind, mag jeder für sich im Internet googlen. Hier ist nicht der Platz, das vollständig und ideologiefrei zu bewerten. Ich als Diabetiker tu gut daran, mir die ernährungstechnisch wichtige Glucose lieber in einer moderat und langsam wirkenden Form zuzuführen. Wichtig sind dafür die so genannten langkettigen Kohlenhydrate wie

  • Reis
  • Vollkornbrot
  • Kartoffeln (auch Süßkartoffeln)
  • Haferflocken
  • Nüsse & diverse Hülsenfrüchte
  • Nudeln
  • einige Obstsorten
  • Vollkorngetreide und Erzeugnisse
  • Linsen

(Die schnell wirksamen kurzkettigen Kohlehydrate würden Sie in Lebensmitteln finden wie beispielsweise

  • die meisten Obst- und Gemüsesorten
  • Fruktose (allgemein Fruchtzucker)
  • Traubenzucker
  • Haus-,Rohr-, Malz- und Rübenzucker
  • Honig
  • Milch, einige Milchprodukte und Laktose
  • Maltodextrin (in Limonade o.ä.)
  • Süßigkeiten
  • Sportpräparate (meist mit dem Versprechen mehr Energie nach dem Training))

DEXTROSE vs. DISZIPLIN?

Wo keine Glucose ist, ist auch kein Willen. Daher kann es durchaus Momente geben, in denen Sie Ihren Willen mit einem kleinen „Zuckerle“ anschieben können. Doch müssen Sie wissen, dass das Energieloch gleich danach und unweigerlich folgen wird. Deshalb stimmt immer auch der Satz: „Zucker macht es nur noch schlimmer!“

Unterstützen Sie Ihre Disziplin also lieber mit nachhaltigem Treibstoff, also mit Gemüsen, Nüssen, Obst (nicht als Saft, sondern in fester Form), „guten“ Fetten, Eiweißträgern (Käse, Fisch, Fleisch oder den veganen Varianten Bohnen, Tofu, Kichererbsen, Quinoa, Linsen etc.).

Und nutzen Sie einfach die wirksamste Methode, um die Kraftreserven in Ihrem Gehirn zu regenerieren: Schlafen Sie gut! Denn ausgeschlafen können Sie den Versuchungen der Prokrastination viel leichter die Stirn bieten – diszipliniert oder kreativ.