„Mach doch, was du willst!“

Was für die einen als Ausdruck von tiefster Enttäuschung über mangelnde Loyaliät rüber kommt, kann in anderem Zusammenhang als Zeichen der Anerkennung und zugetrauter Kompetenz gemeint sein. Machen Sie denn wirklich, was Sie wollen? Trauen Sie sich? Dürfen Sie das? Oder gehören Sie zu denen, die viel zu oft tun müssen, was andere von ihnen verlangen – ohne dass Sie es wirklich wollen? Natürlich sind das Fragen, die in dieser Offenheit selten gestellt und noch seltener ehrlich beantwortet werden.

Eine Art, einem  Nicht-Wollen Ausdruck zu verleihen, ohne dazu eine klare Position einzunehmen, ist das „Erstmal nicht“: Kein komplettes Aufgeben des Projekts, aber ein Überdenken der Bereitwilligkeit, ein Drosseln des Erledigungstempos, eine Neuordnung der Prioritäten. Aufschieben als ein Indiz dafür, dass in Bezug auf die  Motivation und das Wollen etwas nicht rund läuft. Und weil es noch so viel anderes zu tun gibt, scheint die Prioritätenverschiebung zunächst keineswegs unpassend. Andere Projekte profitieren davon. Was also ist dagegen einzuwenden? Vielleicht und im für Sie günstigsten Fälle nichts, vielleicht aber doch sehr viel: Sie werden die Konsequenzen erleben. Ob sie das sind, was Sie (tatsächlich!) wollen?

Dieses „Mach doch, was du willst!“ ist nur selber ehrlich im Sinne einer neu zugestandenen Autonomie gemeint, sondern wird viel häufiger als kaum versteckte Drohung verstanden. Aber auch das nachgesetzte „Du wrst schon sehen, was du davon hast“ muss nicht so negativ sein, wie es vielleicht gemeint ist: Tun Sie doch wirklich einmal, was Sie schon immer wollten, und sehen Sie, was Sie endlich davon haben. Schieben Sie diese Erfahrung nicht unnötig weiter auf! Aber seien Sie darauf gefasst: Es könnte zu einer Gewohnheit werden, die Ihnen Spaß macht!