Welche Zielformulierungen bringen uns weiter

Dass Ziele uns vorwärts bringen, davon sind wir leicht zu überzeugen. Wie Ziele aber zu formulieren sind, damit sie uns dahin führen, wohin wir wollen, darüber gibt es sehr gegensätzliche Meinungen. Das liegt hauptsächlich daran, dass Ziele in sehr unterschiedlichen Erledigungsstadien formuliert werden, in denen sie eine jeweils andere, u.U. gegenteilige Funktion haben.

Handlungs-Ziele

Es wird üblicherweise gefordert, dass Ziele dafür da sind, das Handeln eng am Ergebnis zu orientieren, um es so effizient zu machen. Dafür sollen sie „s.m.a.r.t.“ sein, also:

  • s = spezifisch, nicht zu allgemein gefasst und klar und positiv fofmuliert
  • m = messbar im Ergebnis
  • a = attraktiv
  • r = realisierbar
  • t = terminiert.

Solche „smarten“ Zielformulierungen sind immer geeignet, wenn es um die Durchführung einer bereits entschiedenen Handlung im Sinne eines konkreten Ergebnisses geht. Sie sind es nicht, wenn diese Entscheidung noch nicht definitiv getroffen ist.

Soll daber erst eine innere Ausrichtung eingenommen werden, aus der ein Ziel entstehen soll, wäre eine „smarte“ Zielformulierung voreilig. Zunächst ist vielmehr eine Entscheidungsfindung „aus dem dem Bauch“, ein emotional mitreißendes „Seins-Motto“ gefragt. Eine rein rationale Zielformulierung steht da nur im Wege. Denn erst wird noch das „Was“ und das „Ob“ entschieden, später dann das „Wie“.

„Traum“-Ziele 

Vor den konkreten Handlungszielen stehen die „Traum-Ziele„. Sie geben die große Richtung vor, unter die sich das künftige Handeln einordnet und organisiert. Wir nenne sie „ha’ve-a-dream-Ziele„, denn in ihnen wirkt

  • ha = eine innere Haltung und
  • ve = ein Verhalten, das sich daran ausrichtet, eine
  • a = Absicht und einen
  • dream = einen Traum  zur Wrklichkeit werden zu lassen.

Solche „ha’ve-a-dream-Ziele“ formulieren sich nicht im Futur, sondern in der grammatischen Gegenwart. Denn sie beschreiben eine gerade entstehende neue Wunschpräsenz, eine Haltung, aus der heraus ein ebenso neues Verhalten entsteht, das die Erfüllung des Wunsches ermöglicht. Sie definieren sich nicht in rationalen Vorgaben – im Gegenteil: Eine bildhafte Ausdrucksweise, eine sprachliche Annäherung in Beispielen und Metaphern schützt sie davor, zu sehr rational-kleinteilig voreiliges Zielerfüllungen zu entwerfen.

Prokrastination kann genausogut aus einer unzureichenden smarten Zielbeschreibung, wie auch als Folge einer emotional nicht ausreichend abgesicherten ha’ve-a-dream- Zielformulierung entstehen. Der entscheidende Moment, der im Zweifel das „Weitermachen“ oder das „Aufschieben“ bestimmt, liegt dort, wo die fragile Decke der Zielfestlegung entweder tragfähig ist oder einbricht.