Eigentlich ja, aber

Das abweisende Wort „aber“ verfügt über eine Potenz, die es ermächtigt, bereits Gesagtes oder Beschlossenes sogar noch rückwirkend zu sabotieren. Dabei geht es uns ganz leicht und hunderte Male am Tag über die Lippen bzw. durch unsere gedanklichen Planungsprozesse.

Manchmal umschmeichelt es das zuvor Gesagte noch mit einem (keineswegs so gemeinten) „eigentlich“ (d3nn genau dieses Eigentliche soll ja im nächsten Augenblick gekippt werden). Und spätestens dann hat der ursprüngliche Vorsatz (z.B. „Eigentlich wollte ich jetzt mit der Arbeit anfangen“) keine Chance mehr: „…aber dann schien die Sonne so verführerisch…“. Die Falle zwischen einem heuchlerischen „eigentlich“ und einem entscheidenden „aber“ ist zugeschnappt.

Dem Prokrastinieren ist mit „aber“ Tür und Tor geöffnet, weil das „aber“ von vorn herein die Kapitulation des Eigentlichen zu erreichen beabsichtigt. Der „aber“-Einwurf hat im Satz das letzte Wort und damit die Macht, das vorher Geplante für den aktuellen Zeitpunkt neu zu priorisieren und auf später zu verschieben, oder es ganz zu annulleren. „Aber“ wirkt dabei mit einer nicht hinterfragten Autorität, die wir ihm reflexartig überlassen. Und so wirkt es dann auch: dominant und von oben herab.

Ganz anders verhält es sich mit dem verbindlichen Wort „UND“

„UND“ ist konziliant, demokratisch, hört zu, wägt ab, begegnet auf Augenhöhe und gleichberechtigt. Eine unerwartete Gegenposition zum Zuvor-Gemeinten übernimmt jetzt nicht das Zepter, sondern stellt sich in den Ring der Argumente,  der Alternativen, der Möglichkeiten der Koexistenz von Gegensätzen. Auch ganz kreative und unerwartete Optionen dürfen sich jetzt unter der Schirmherrschaft des „UND“ miteinander messen.

„UND“ bringt Neubewertung, eventuelle Gleichzeitigkeit oder sogar gänzliche Neuplanung ins Spiel und ist damit allemal fruchtbarer und kreativer als ein plattes, im Grunde eindimensional und exklusiv verneinend wirksames „aber“.

Wer zu dem ungewohnten Gedankenspiel bereit ist, dem „aber“-bedrohten Projekt noch eine Chance zu geben, der sollte es einmal mit einer „UND“-Formulierung versuchen: „Ich wollte anfangen zu arbeiten, UND die Sonne schien verführerisch“. Mit diesem „UND“ bieten sich doch gleich eine Handvoll sympathischer weiterer Handlungsoptionen an, die keineswegs das Erstgeplante unattraktiv oder gar unmöglich machen …

In besonders schwierigen Fällen kann man ein festgefahrene Dilemma auch mit einer → „Tetralemma„-Übung auflösen! Einfach dort mal nachschauen.