Aufschieben – Fluchtreflex oder Sucht?


Natürlich mag sich niemand gerne als Prokrastinations-Junkie bezeichnen. Aber let’s face it:  Der Schritt von der Gewohnheit hin zum abhängigen Verhalten ist klein. Auch beim Prokrastinieren.

Nehmen wir zunächst das Prokrastinieren des „Endzeitarbeiters“:

Es nimmt im Gehirn die Charakteristika eines typischen Sucht-Geschehens an: Ein innerer Druck wird aufgebaut, dem letztendlich nachgegeben wird, was mit reichlichen Dopamingaben belohnt wird. Und der nächsten vergleichbaren Situation wird schon wieder erwartungsvoll entgegengeblickt. Machen wir uns nichts vor: Prokrastination hat das Zeug zu einer veritablen Sucht. In manchen Fällen ist sie dem Messie-Verhalten ähnlich, der Arbeits-Sucht oder der Spiel-Sucht: Bevor sie Sie ins Verderben stürzt, ist sie erstmal „geil“.

Und auf der anderen Seite?

Prokrastinieren kann nicht nur Ursache, sondern auch Ergebnis eines Sucht-Verhaltens sein: Wenn nämlich wichtige Erledigungen deswegen nicht stattfinden, weil stattdessen in übermäßiger bzw. süchtiger Weise andere Tätigkeiten eingeschoben wurden – die ihrerseits nicht mehr unterbrochen werden können, weil man zu sehr an ihnen hängt – d.h. abhängig ist.

Allseits bekannte Beispiele sind die hoch attraktiven YouTube-Filme, die in unbegrenzter Zahl unserer Neugier zur Verfügung stehen. Der feste Vorsatz „Nur noch dieser eine!“ wird erfolgreich dadurch unterlaufen, dass es de facto immer nur „der eine“ ist in einer sich endlos fortsetzenden Reihung. Oder Serien auf Netflix und anderen Streaming-Diensten, die mit geschickt postiertem Cliffhanger dafür sorgen, dass ein Aufhören unmöglich wird. Auch andere Suchtmittel gehören dazu wie Internet-Games oder Spiele im online-Casino. Sie alle haben leichtes Spiel, ihr Suchtpotenzial immer dann auszuspielen, wenn ungeliebte Aufgaben sich vor der Erledigung scheuen.

Flucht oder Sucht – eigentlich gar kein Gegensatz!

Gründe, ungeliebte Erledigungen aufzuschieben, haben wir immer und reichlich. Wir können zwar manche, aber doch nicht alle aus der Welt schaffen. Wenden wir uns also verstärkt den Gründen zu, die uns unser Vorhaben so erstrebenswert machen, und den Ressourcen, die uns darin bestärken.

Kontakt: info@pro-cras.de, tel. fix 0211 9991656, tel. mobil 01520 9887966