Aufschieben macht Zeitmangel

… macht Aufschieben usw.. Diesen Teufelskreis kennen Prokrastinierende nur zu genau, und können ihm doch nicht entrinnen. Jedenfalls nicht, solange sie drei unterschiedliche Zeitsysteme nicht unter einen Hut bekommen: Zunächst ihr eigenes; dann das Zeitsystem, unter dem das prokrastinationsbedrohte Projekt funktioniert; und schließlich jenes, das von anderen, sehr eigennützigen Interessen gesteuert wird: der „Aufmerksamkeits-Industrie“. 

Sie alle tragen dazu bei, dass Aufschieben statt Problemlösung entsteht.

  • wertvolle Zeit geht verloren bzw. kann nicht aufgeholt werden,
  • Informationsüberfrachtung („information overload“) verwirrt und verlangsamt den Arbeitsfluss.
  • die Zusammenhänge im Denken und Arbeiten werden wiederholt und grundlegend unterbrochen,
  • Und dann heißt es : Jedes Ding hat seine Zeit … nur ich habe keine!, und muss sie mir im „morgen“ borgen“.

„Multitasking“

Multitasking ist längst als Illusion enttarnt. Jede Übernahme einer weiteren gleichzeitig zu erledigenden Aufgabe führt nachweislich dazu, dass wir mit unserer Aufmerksamkeit erst mit langer Verzögerung oder auch gar nicht mehr zur ursprünglichen Tätigkeit zurückkehren können. Es gilt also, Multitasking weitestgehend zu vermeiden bzw. deren tatsächliche Notwendigkeit vorher zu klären und einzugrenzen.

Ablenkung durch („soz.“) Medien

Die so genannten sozialen Medien bedienen verschiedene Bedürfnisse: nach Kontakt, nach Ablenkung und Entspannung, nach umfassender Information, und führen diese gleichzeitig so weit ad absurdum, dass inzwischen schon wieder nach Informations-Verzicht gerufen wird.

In der Diskussion über den Gebrauch oder Nichtgebrauch von ablenkenden Medien kann ein durchaus hilfreicher Gedanke sein, dass hinter dem drängenden Wunsch nach lustreichem Erleben und ebenso lustvollem Entspannen eine Abfolge bestimmter neuronaler Reaktionen steht, die deutliche Ähnlichkeiten mit einem Suchtverhalten zeigt. Auch vor diesem Hintergrund wird eine allgemeine Medienkonsumdiät („Social Media Detox“) gefordert.

Die Erfahrungen zeigen, dass ein bewusstes vorbeugendes Grundverhalten weiterhilft:

  • Wer ursprünglich auf der Suche nach Literatur für die Masterarbeit war und sich nach drei Stunden Blind Date mit dem YouTube-Algorithmus vor dem Bildschirm wiederfindet, wird eher frustriert sein als jemand, der sich ablenkungsbewusst, vorausschauend und zielgerichtet auf der Videoplattform umschaut.
  • In Lernkontexten und bei der Lektüre anspruchsvoller Texte ist es hilfreich, das Smartphone komplett in der Tasche lassen.
  • Push-Nachrichten bzw. die zu gehörigen Benachrichtigungen lassen sich deaktivieren.
  • Das ist auch je nach Arbeitskontexten für die Benachrichtigungsfunktion der eingehenden E-Mails anwendbar.
  • Hilfreich ist es, soziale Netzwerke ausschließlich beruflich oder fachbezogen zu nutzen, um ohne die Gefahr unnötiger Ablenkung an die dort relevanten Inhalte zu kommen, die tatsächlichen Mehrwert bieten.

Pause

Natürlich sind Pausen, auch Zerstreuung oder Unterhaltung legitime Unterbrechungen – entscheidend ist bloß, dass man sich darüber klar wird, welches Ziel man mit ihnen verfolgt.

Ob, in wieweit und wie lange tik-tok- oder YouTube-Videos eine entspannende, erholende oder schon süchtig machende Wirkung haben, lässt sich wie für jede andere Art von zu vermutender Abhängigkeit sehr leicht selber austesten: Einfach mal weglassen (z.B. die automatische Wiedergabe deaktivieren) und anschauen, wie es einem dann geht – ob man noch selbst bestimmt oder fremdbestimmt wird.

RSS-Feeds und Newsletters sollten grundsätzlich nicht als vorgeblich wichtige Informationsquelle, sondern als unqualifizierte und unsystematische Störung angesehen werden und als Gefahr, abgelenkt zu werden.

Das möglichst weitgehend zu steckende Ziel heißt: „news avoidance“, der komplette Verzicht auf Nachrichten. Die fällt umso leichter, je deutlicher erkannt wird, dass ein Großteil der Meldungen für das eigene Leben tatsächlich vollkommen irrelevant sind. Sie hinterlassen allenfalls ein Gefühl der Verwirrung und Unzufriedenheit.

„Wenn Menschen das Gefühl haben, Informationen nicht mehr ausreichend verarbeiten zu können, kann das Stress, Verwirrung und Ängste hervorrufen“, schreiben Morten Skovsgaard (Universität Odense) und Kim Andersen (Universität Göteborg) in einer Überblicksarbeit. Es lohnt sich also, schon eingefahrenen Informationsroutinen zu unterbrechen und neue Strategien für eine bewusste Informationsgewinnung im Netz zu entwickeln.

 

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