Grenzen ziehen in Zeiten von Grenzenlosigkeit

Allgegenwärtige Medien und die mit ihnen präsenten Aufmerksamkeitwünsche einer auf Clicks basierenden hochdotierten Industrie besetzen unsere mentalen und zeitlichen Räume überall dort, wo wir sie gewähren lassen. Die Folge: Die mentalen Räume und die schon eh begrenzten zeitlichen Räume werden zugestellt, und wir müssen wichtiges Eigenes, einfach aus Platzmangel, aufschieben.
Also kommen wir nicht daran vorbei, unsere verfügbare Zeit einzuteilen (im Beruf heißt das dann „Zeitmanagement“ und ist dort unerlässlich). Die Bereiche „privat“ und „beruflich“ überlappen sich jedoch mehr und mehr, und eigentlich wollen wir ja unser Privates nicht auch noch durchprofessionalisieren, und doch müssen wir genau hinschauen.
Das Internet begleitet uns überall hin, und wir beziehen es in unser alltägliches Leben ganz selbstverständlich ein ( oder glauben zumindest, es seien wir, die ihm die Tŭren öffnen), ebenso die sozialen und die Informationsmedien. Sie nehmen unsere Interessenfäden auf und leiten sie in deren Sinne um und knŭpfen sie ständig neu. Denn sie kennen unsere FOMO, unsere Sorge, etwas nicht mitzubekommen, und unsere relative Abhängigkeit vom neuesten Stand der Dinge.
In der Nutzung der KI und der grenzenlos informationsbereiten Sprachmodellen wie ChatGPT etc. sind wir gnadenlos fremdbestimmt und ausgeliefert. Denn sie wissen, dass wir sie nicht wirklich weg-detoxen, weg-fasten oder auch nur -intervallfasten können. Zu tief und unverzichtbar haben sie sich in unsere Abläufe hineingearbeitet. Aber wir sind nicht wehrlos .
Arbeits- oder Freizeitpläne brauchen ewar strukturgebende Begleitung, so viel ist sicher. Aber nicht als Siamesischen Zwillinge, sondern mit eigenständigen, selbständigen, selbstverantwortlichen Zeiten, und die müssen wir konkret erschaffen. Sie werden uns nicht freiwillig zugestanden, geschweige denn vorgefertigt.
Neu im allgemeinen Bewusstsein sind die logorrhoischen (vom krankhaften Redezwang befallenen) Informationsquellen, die uns ungefragt alles nur denkbare zum geistigen Verzehr anbieten nach dem Motto „all you can read“, wohl wissend, dass der Informationshunger mit jedem Bissen größer und unstillbarer wird.
Wie also sich vor Binge-Infos schützen?
Wer „All you can eat” ordert, weiß, dass es Spaß machen kann, aber recht bald wird er auch die Grenzen kennen, und behutsamer und gezielter vorgehen. Ein probates Mittel ist, statt der (meist nicht ausreichend wirksamen Bremse des Preises) auf die Qualität und auf die Essenszeit zu achten, auf die Verdaulichkeit und letztlich die Zeit achten, und lzu kontrollieren.
Auch kurze Neugierde-Exkursionen in die Welt des Sprachmodelle können zur grenzenlosen und absorbierenden Weltumrundung werden, wenn der dafür vorgesehene Abschnitt nicht thematisch sorgfältig und zeitlich eng eingefasst wird.
Wie in jedem richtig gemachten Zeitmanagement kommt es nicht nur auf einen Startpunkt an, sondern ebenso oder noch mehr auf ein präzises und verbindliches Schluss-Signal an. Algorithmen geben sich selten die Blöße, „fertig“ zu werden. Ihr Fundus ist inzwischen unerschöpflich. Bevor sie mit einer einfachen Frage beginnen, das Wissen der Welt in sich anzuhäufen, müssen Sie sich vorher, also vor dem Beginn der Chat-Sitzung, einen sachlichen, und weil das meist nicht ausreicht, auch einen zeitlichen Rahmen setzen – und deutlich markieren: Mit einem lauten Wecker, einer App, einem unnachgiebigen Mitmenschen. Wie in allen Situationen eines intensiven und gleichzeitig Tages-effizienten Nachforschens ist es unerlässlich und fast überlebenswichtig, nicht nur festzulegen, was man wann beginnen wird, sondern wie und wann man realistischerweise davon auch wieder ablassen will.
Soviel Begrenzung muss sein.
Kontaktanfrage, auch für mittelbar Betroffene: info@pro-cras.de, tel. fix: 0211 9991656, tel. mobil: 01520 9887966