Häufige Fragen zur Prokrastination und PROKRASTINATIONSBERATUNG


Was ist Prokrastination?

Prokrastination bedeutet, wichtige oder zeitgebundene Aufgaben immer wieder aufzuschieben – begleitet von Stress, Schuldgefühlen oder innerer Anspannung. Wichtig ist:
Prokrastination beginnt nicht beim Aufschieben selbst, sondern schon früher – bei seinem ersten inneren Drang, der als reflexartige Schutzreaktion entsteht.

Dieser Reflex speist sich aus lebensgeschichtlichen Erfahrungen, aus natürlichem Schutzbedürfnis, manchmal auch aus Energieersparnis („Faulheit“) oder dem Streben nach Genuss.

Prokrastination ist keine Absicht. Sie entsteht aus sich verstärkenden inneren Reaktionen und einer Reihe von unguten Rückkopplungen.


Gibt es eine Theory of Procrastination (ToP)?

Es gibt noch keine übersichtliche und sparsame, in sich geschlossene Theorie, die der Komplexität der Prokrastination gerecht wird, entsprechend auch kein therapeutisches Diagnose- noch Behandlungsmanual. Auch in den Klassifizierungen des DSM V und ICD 10/11 gibt es keine entsprechende Kodierung.

Fragen bezüglich mangelnder Impulskontrolle, zu Handlungsmotivation, -regulation und -aufschub, Überengagement, Ablenkbarkeit, Rumination, Entscheidungsschwäche, Desorganisation, Flatterhaftigkeit u.a. sind daher in jedem Einzelfall individuell und auch differenzialdiagnostisch abzuklären.


cras

Das lateinische Wort für ‚morgen‚ gibt der Prokrastination ihren Namen und Inhalt: Es geht um Zukunft, etwas, das wir nach dem Heute erwarten. Wir zählen darauf, dort Zustände vorzufinden, in denen wir das, was wir heute – warum auch immer – nicht geschafft haben, mit leichterer Hand erledigen oder entscheiden können.

Tatsächlich hat Zukunft dieses Potenzial immer, vorausgesetzt, dass wir

  • die Voraussetzungen dafür schaffen,
  • die Zustände herstellen, in denen Erledigen sinnvoll ist,
  • solche Mindsets wirksam werden lassen, in denen Entscheiden möglich ist und nicht als unmöglich behauptet und verhindert wird.

Der Drang zum Aufschieben macht sich immer dann bemerkbar, wenn die Umstände Unklarheiten aufweisen, die zögern lassen. Und wenn die Gewohnheit zu stark ist, perfekte Startbedingungen vorauszusetzen. (Sh. → Perfektionismus)


Perfektionismus

Es gibt viele, notwendige oder unsinnige Gründe, perfektes Erledigen oder Entscheiden sich zu wünschen, und zum Anlass des Zögerns zu nehmen. In der PROKRASTINATIONSBERATUNG werden wir darüber sprechen. Vor allem werden wir vertiefen, wie es möglich ist, auf dem fluide gewordenen Boden von unsicheren Daten und verlässlichen Fakten zu Entscheidungen zu kommen.

Unter dem Gesichtspunkt, dass menschliches Planen und Handeln immer aus einem Verbund heraus geschieht, der sich aus Situationen, Konstellationen und Emotionen zusammensetzt, wird deutlich, wie wenig die perfekten Umstände von der ausführenden Partei selber und allein bereitgestellt werden können. Dennoch wird das Erledigen oder Entscheiden bzw. deren Aufschieben mehrheitlich solchen externen Faktoren in die Schuhe geschoben.


„Umgang“ im Kontext von Prokrastinieren 

kann auf zweierlei Weise geschehen:

a) Als ein sich Verhalten gegenüber dem aufkommenden Drang zum Aufschieben bzw. einer bereits manifesten Prokrastination (beispielsweise bekämpfen, überwinden, konfrontieren, ignorieren),  und

b) Als das persönliche Reagieren auf Lebenssituationen, das im späteren Verlauf auf ein pathologisches Prokrastinieren hinausläuft.


Ist Prokrastination eine Krankheit?

Nein, es gibt keine rechtliche oder medizinische Übereinkunft oder Diagnostik, nach der Prokrastination eine Krankheit ist. Ein in Ihrem Kontext entstehendes Leiden ist immer ein nachgeordnetes, erst nachrangig folgendes Leiden.


Warum Therapie, und wie?

Psychotherapie, auch beim Heilpraktiker, meint

  • Veränderung von Denk- und Verhaltensmustern:  lernen, dysfunktionale (nicht hilfreiche) Gedanken und Verhaltensweisen zu erkennen und durch funktionale, gesündere Alternativen zu ersetzen.
  • Verbesserte Selbstwahrnehmung: Durch das Besprechen von Gefühlen und Wünschen verstehen vom Prokrastinieren Betroffene ihre inneren Prozesse besser, was eine bewusstere Erledigungssgestaltung ermöglicht.
  • Emotionale Verarbeitung: Die Therapie hilft, Erlebnisse oder aktuelle Blockaden zu verarbeiten und seelischen Leidensdruck abzubauen.
  • Ressourcenaktivierung: Ihre therapeutische Arbeit hilft dabei, eigene Stärken und Fähigkeiten wiederzuentdecken und zu nutzen.
  • Hilfe zur Selbsthilfe: Es werden Methoden vermittelt, die Sie befähigen, auch nach der therapeutischen und Coaching-Arbeit den Drang zum Aufschieben eigenständig zu bewältigen.
  • Methodenvielfalt: Neben Methoden der Verhaltenstherapie wirken tiefenpsychologisch fundierte Verfahren, Methoden der Kurztherapie, der Kommunikations- und der Neurowissenschaften, indem sie unbewusste Vorgänge und unwillkürliche Reaktionen sichtbar und steuerbar machen.

Wie entsteht Kompetenz im Umgang mit dem eigenen Drang zum Aufschieben

Die Notwendigkeit einer solchen Kompetenz entsteht (erst), wenn Prokrastination in Ihr Leben tritt – denn sie ist nicht angeboren, sondern allenfalls als latente Bereitschaft vorhanden. Ereignisse können eine solche (traumatisierende) Wirkung haben, dass sie in ähnlichen künftigen Situationen den Drang zum Aufschieben auslösen. Entsprechend baut sich ein kompetenter Umgang mit dem Aufschieben so früh wie möglich auf, und zwar an den folgenden Markierungspunkten:

  • Bewusstmachung: Erkennen des aufkommenden Drangs zum Aufschieben und seiner inneren Quellen und äußeren Auslöser
  • Wunsch nach Authentizität: Rückkehr zum eigenen wahren Wesen, der eigenen Bestimmung
  • Übernahme von Eigenverantwortung: Trauma ist keine Entschuldigung
  • Umdeuten und Neuzuordnen alter Informationen und Glaubenssätze

Ist Prokrastination ein Symptom, oder vielleicht ein Syndrom?

Wenn man sich im Begriffsfeld von Krankheit bleiben wollte, wäre Prokrastination wohl eher ein Syndrom:

(Symptom vs. Syndrom: Ein Symptom ist ein einzelnes Zeichen, während ein Syndrom die Kombination mehrerer, typischerweise zusammen auftretender Symptome ist.)

Da wir Prokrastination (nicht ihre eventuellen somatischen oder psychischen Verursacher jedoch nicht als Krankheit erachten, kommt hier als Charakterisierung wohl eher die „Hemmung“ in Anlehnung an die Freud’sche Unterscheidung als „Herabsetzung der Funktion“ in Frage. Demnach steht mit dem Begriff „Hemmung“ besonders die „Funktion“ im Fokus, die auch in der PROKRASTINATIONSBERATUNG steht ganz bewusst in den Vordergrund gestellt wird.

Das Funktionelle im Akt des Erledigens und Entscheidens wird aus unterschiedlichem Reizerleben gehemmt und „bis auf Weiteres“ zurückgestellt.


Exekutive Funktionen

Exekutivfunktionen sind die kognitiven Prozesse  im präfrontalen Kortex, die das Verhalten, die Aufmerksamkeit und die Emotionen steuern. Als „Schaltzentrale“ des Gehirns ermöglichen sie zielgerichtetes Handeln, Planung, Selbstregulation und Anpassung an neue Situationen. Die drei Kernkomponenten sind Arbeitsgedächtnis, Inhibition (Impulskontrolle) und kognitive Flexibilität. Sie sind maßgeblich am aufkommenden Drang zum Aufschieben beteiligt.


Situation und Konstellation

Prokrastination geschieht als Konsequenz eines nicht korrigierten Drangs zum Aufschieben, ausgelöst aus den Eigenschaften einer sensiblen Situation im Prozess des Erledigens oder Entscheidens und/oder Konstellation der materiellen oder organisatorischen Komponenten.


Ihr“ Prokrastinieren?

Ihr Prokrastinieren passiert Ihnen, weil drei prokrastinationssensible Faktoren zusammen kommen: Ein bestimmter  Moment oder Zeitraum, eine zu bestimmte Erledigung-/Entscheidungs-Situation und Sie als die zum Drang zum Aufschieben befähigte Person. Drei Faktoren mit sehr unterschiedlichen Ausgangssituationen, die „Ihrem“ Aufschieben eine größere Dimension gibt als Ihren persönlichen Anteil.


Wie kommt Prokrastination in Ihr Leben?

Prokrastination  ist keine Krankheit, nicht einmal etwas Unnormales, Sie ist einfach eine Fähigkeit, die einspringt, wenn Sie sich gegenüber Ihem Tun, Ihrem Projekt und Ihrem Verhältnis dazu auf Sinnhaftigkeit, Effizienz und Kohärenz überprüfen sollten. Aus diesem Grund fällt der Reflex des Aufschiebens nicht einfach „vom Himmel“, sondern er steht am Ende eines Prozesses des inneren Abwägens und Entscheidens, den Sie durchlaufen, aber nur mehr oder weniger bewusst wahrnehmen.

Der Drang zum Aufschieben baut sich entlang dieser Prrozessreize so lange auf, bis er reflexartig umschlägt, wenn keine andere tragbare Schlusfolgerung erzielt werden kann – in der stillen Annahme, dass „später“ die hinderlichen Faktoren geklärt sein werden.

WARUM?

Es ist schwierig, aber eben doch möglich, die Spannung in der Gleichzeitigkeit von JA und NEIN erträglich zu machenn: Indem man beides in einen SPÄTER vereint.


An welcher Stelle setzt PROKRASTINATIONSBERATUNG an?

Bevor Sie etwas aufschieben, gab es zuvor (immer) einen inneren oder äußeren Auftrag, ein (meist unbewusstes) Abwägen und eine (meist ebenso unbewusste) Entscheidungsfindung im Sinne einer Erledigung, Nicht-Erledigung oder zur Noch-nicht-Erledigung. PROKRASTINATIONSBERATUNG setzt genau an der Stelle an, wo die positive Intention „kippt“ und den Raum öffnet, in dem eeine zögerliche, aufschiebende Haltung sich breit macht. Als situatives Ereignis, nicht als Persönlichkeitskonzept.


Welche Art von Erledigung oder Entscheidung ist von Prokrastination betroffen 

Es sind solche, über deren Ausführung man nachdenkt – meist, nachdem auftauchende Emotionen ein „Jetzt-noch-nicht“-Gefühl erzeugt haben und nach (zeitlichen) Alternativen suchen lassen. Im Zusammenhang stehen dabei meist:

– Schwierige, neuartige oder folgenreiche Handlungen,

– die Anstrengungen erfordern,

– die einer Überwindung bedürfen,

– die einen langen Erledigungs- oder Entscheidungs-Prozess bedeuten oder voraussetzen.


Warum schiebe ich anstehende Erledigungen oder Entscheidungen auf, obwohl ich weiß, dass sie jetzt nötig wären?

Weil Prokrastination erst auf den zweiten Blick ein Organisationsproblem ist. Vorrangig bildet sich der Drang zum Aufschieben aus

  • Überforderung, Unsicherheit oder Versagensangst/Perfektionismus
  • Unterforderung und fehlender Bedeutung, „keine Lust“, Langeweile
  • Komplexität der Aufgabe
  • emotionale und erinnerte Belastungen beim ersten Kontakt mit dem Projekt.

Aufschieben ist für das menschliche System oft die zunächst „interessantere Option“ – vor allem unter Stress und bei Unsicherheit. Es ist der (anfänglich) „leichtere“, niedrigere energetische Zustand, während Tun höhere Regulationsfähigkeiten erfordert: Bewusstheit, Reflexion, Struktur und emotionale Stabilität.


Welche Rolle spielt der Aufschiebereflex?

Der Aufschiebereflex ist der Beginn einer Aufschiebe-Kaskade, die im Drang zum Aufschieben spürbar wird, die sich durch zunächst kleine aber gehäufte Auslösefaktoren entwickelt, und die über eine Folge von Ängsten, Selbstabwertung, Druck und deren Eskalation hin zur Etablierung einer stabilen destruktiven Prokrastinations-Schleife führt.

In allen seinen Stufen ist der Aufschiebereflex ist ein Frühwarnsystem. Er signalisiert:
„Hier stimmt etwas nicht – schaue genauer hin!“ Er weist auf strukturelle, emotionale oder organisatorische Dysbalancen

  • im geplanten Vorhaben,
  • in der erledigenden Person und
  • in der besonderen situativen Beziehung zwischen den beiden.


Anstatt ihn zu bekämpfen, ist es sinnvoller:

  • seinen Ursprung zu verstehen
  • seine Bedeutung zu entschlüsseln
  • ihn als Hinweis auf notwendige Selbstkorrektur zu nutzen.

Was sind typische Auslösefaktoren für den Drang zum Prokrastinieren?

Besonders häufig wirken diese sieben Felder:

  1. Kognitive Blockaden

  2. Emotionale Belastungen

  3. Fehlende oder dysfunktionale Routinen

  4. Unklare Motivation und Zielorientierung

  5. Körperlich-gesundheitliche oder mentale Blockierungen

  6. Organisatorische Hürden im Zeit-, Raum- und Netzmanagement

  7. Fokussierungsstärke und Maß der Ablenkbarkeit


Ist LEDZ GO! eine Therapiemethode?

Mit LEDZ GO! werden die Auslösefaktoren für den Drang zum Aufschieben aufgedeckt, definiert und als Grundlage für die Lösungsklärung zugänglich gemacht. Hierfür dient LEDZ GO!© der Faktoren-Analyse.

Gleichzeitig ist LEDZ GO!© ist eine handlungstheoretische, tiefenpsychologisch fundierte Strategie, um die praktischen und tieferen, unbewussten Ursprünge und Auslöser eines Aufschiebereflexes zu verstehen und zu bearbeiten.

Mit dem hierfür entwickelten Framework werden bei minimalem psychotherapeutischem Einsatz die Handlungs- und Interaktionsmuster des Prokrastinierens aufgedeckt, auch wenn sie aus konfliktreicher Vorgeschichte hervorgingen, und für die Entwicklung neuer,  geeigneter Verhaltensweisen genutzt.


Warum helfen viele Prokrastinations-Hacks nicht dauerhaft – und sind dennoch wichtig?

  1. Viele Maßnahmen gegen das Prokrastinieren funktionieren nicht dauerhaft, weil sie erst eingreifen, wenn der Modus der Prokrastination bereits erreicht ist – also sehr spät im Prozess der Prokrastinationsentwicklung.
    Dann werden zwar Symptome „weggehackt“, aber nicht die Auslöser verstanden.
  2. Prokrastination ist nicht zustands-, sondern kontextabhängig,
  3. Sie tragen nicht dem Verständnis Rechnung, dass die Option des Aufschiebens immer auch eine unvermeidbare Option, ein dazu gehörender, immanenter Bestandteil det Entwicklung eines Vorhabens ist.

Dennoch sind praktische Maßnahmen unverzichtbar, um alte dysfunktionale Schein-Lösungen auszutauschen gegen konstruktive Antworten auf akute organisationstechnische Missstände.

Dauerhafte Veränderung entsteht dort, wo die Beziehung zwischen Mensch und Projekt geklärt wird. Aus dieser Klärung leiten wir gemeinsam die nötigen Maßnahmen ab.


Welche Rolle spielt mein „freier Wille“?

Der Mensch handelt immer als ein wollendes, dabei denkenden, emotionales und auch zögerndes Wesen, und hat daraus seine persönlichen Handlungsmuster als Reaktions-Automatismen entwickelt Vor diesem Hintergrund bedeutet „freier Wille“ nicht, tun zu können, was man will. Er bedeutet:

Muster erkennen und die Freiheit zu haben. sie zu durchbrechen.

Jenseits aller Diskussion um „freien Willen oder Determinismus“ sind wir immer in der Lage, schädliche Handlungsmuster aufzudecken und zu verändern.


Wie unterstützt mich die PROKRASTINATIONSBERATUNG?

Die Beratung kombiniert

  • langjährige und spezialisierte psychotherapeutische und Coaching-Erfahrung
  • präzise Analyse des Aufschiebereflexes
  • Erkennen innerer und äußerer Blockaden
  • Entwicklung neuer Handlungswege und stabilisierender Routinen

Für Sie lautet das Ziel:
Sie bringen Ihre Projekte wieder aktiv, sicher und selbstbestimmt


Für weitere Informationen nehmen Sie bitte Kontakt auf über:

E-Mail: info@pro-cras.de, Tel. fix: 0211 9991656, Tel. mobil: 01520 9887966