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Genau hinschauen

auf das, was dich wirklich prokrastinieren lässt

Vielleicht denkst du ja immer noch, dass es immer nur Faulheit oder Ängstlichkeit sind, die dich aufschieben lassen. Du solltest dich besser kennen! Sieh nochmal ganz genau hin auf das, was deine Prokrastination sonst noch so in Gange hält:

etwa auf die Faszination darüber, wie leicht es fallen kann, sich das Leben leicht zu machen – mit dieser jedezeit verfügbaren Leichtigkeit, einfach nicht zu handeln;

auf die überraschende Erfahrung von Schuld, wo du doch ein so tadelloses Leben führen wolltest;

auf deine Kapitulation, wenn du spürst, dass dein „Wille“ sich einer stärkeren Macht unterwerfen muss;

auf deine Idealisierung des Aufschiebens als Eigen-„Mächtigkeit“, als „Selbstbestimmtheit“, als „Sabotage“ dessen, was du nicht offen zurückweisen kannst;

dauf as Gefühl von Scham, das dafür sorgt, dass du jetzt erst recht nicht loslegen kannst;

deine Selbstaufgabe, bei der du dich weiter haltlos in den Aufschiebestrudel wie in ein angebliches genetisch unausweichliches Prokrastinations-Schicksal fallen lässt;

auf dein Bedürfnis nach Sicherheit, die du immer noch dort suchst, wo nichts zu erwarten ist:  im „morgen“;

auf deine Heimlichkeit, bei der du, wie in einer versteckten Beziehung, ihre ersehnte Offenlegung mehr fürchtest, als dass du sie endlich herbeiführen könntest;

auf diese bittere Erfahrung von Mangel, der aus der existentiellen Selbstzerstörung kommt, und der längst ein treuer Begleiter deiner Prokrastination geworden ist;

auf dein Ein-Geständnis, vor dir und vor den anderen, dass das Spiel aus ist. Aber: „Les jeux sont fait“ bedeutet ja keineswegs, dass nun alles gut ist: die Kugel rollt unbeirrbar weiter, bis sie zum Schluss chaotisch aus der Rille springt;

auf die Demut, eigentlich aus der Reue geboren und dann doch in deinem Sich-Aufbäumen schnell wieder verloren;

auf die Rettung, denn du erlebst ja immer, dass es jemanden gibt, der dir Rettung und Hilfe anbietet;

auf den erneuten Rückfall, weil diese Hilfe nicht hilft, so lange sie eben doch nur „Hilfe“ ist, und nicht „Veränderung“ bedeutet;

Und wenn dann das Versprechen fortwährender glückseliger Konfliktvermeidung zum x-ten Male gebrochen wurde, dann steht am Ende auch noch

die Heilung, die erst dann dauerhaft ist, wenn sie nicht erkämpft ist, sondern erlebt wird.

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