Prokrastination – ein „postfaktisches“ Phänomen?

Postfaktisch bedeutet: die hohe Kunst,

den anderen etwas vorzumachen, und selbst am meisten davon überzeugt zu sein. Die objektive Wahrheit (auch Fakten genannt) zu ignorieren und das Gegenteil zu behaupten ist dabei nur ein kleiner Teil. Viel wichtiger ist, die gleichzeitig dabei entstehende gegenteilige Scheinwelt so stark zu verinnerlichen, dass man mit ihr wie mit einer Realität umgeht. Geübte Prokrastinierer sind Meister darin.

Pippi Langstrumpf hat’s vorgemacht

2 x 3 macht 4 –
widdewiddewitt und 3 macht 9e !
Ich mach‘ mir die Welt – widdewidde wie sie mir gefällt …

Mit der Gewohnheit, wichtige Erledigungen oder Entscheidungen aufzuschieben, kann man eine Weile ganz gut überleben. Voraussetzung ist lediglich, einige bisher geltende Regeln umzudefinieren: „Druck“ wird zu „Motivation“, „Ehrlichkeit“, gegenüber den anderen oder sich selbst, wird zu „Stress“, den es zu vermeiden gilt. „Pünktlichkeit“ wird gegen „Flexibilität“ ausgetauscht etc.

Das Leugnen von Fakten wird von eingefleischten Prokrastinierern immer wieder eingesetzt, um das selbstschonende System zu erhalten. Da allerdings einige grundlegende Fakten hierbei nicht verändert werden können, wie etwa die Schwerkraft, werden prokrastinatorische Kartenhäuser irgendwann doch zwangsläufig zusammenfallen müssen.