Merde!

Generalprobe. Jetzt kommt es drauf an. Nach wochen- und monatelanger Vorbereitung soll sich der Vorhang heben. Doch nichts hebt sich, außer einer totalen Panik: Nichts scheint gut genug, geschweige denn perfekt zu sein, nichts kann abgeschlossen oder abgegeben werden. Das Projekt scheint am Abgrund zu stehen.

Was geht jetzt noch?

Ob bis hierhin alles ausreichend, zu wenig oder zu viel getan wurde, hat jetzt keine Bedeutung mehr. Hier und jetzt zählt nur noch das, was aus der momentanen Situation heraus machbar ist, mit Intuition, Improvisation und „Chuzpe“. Franzosen stärken sich in solchen Fällen gerne mal mit einem kräftigen „Merde!“ – vergleichbar vielleicht mit unserem „Scheiß der Hund drauf!“. Ursprünglich waren damit wohl damals die Pferdeäpfel vor dem Theater gemeint, die um so zahlreicher waren, je besser das aufgeführte Stück war, und um so länger die Zuschauer ihr „Taxi“ draußen warten ließen – was für die Schauspieler Erfolg und volle Kassen bedeutete.

Merde ist also der Optimismus, das schon alles gut werden wird – der sich am ehesten für den selbst erfüllt, der am unerschütterlichsten daran glaubt.