Kairophobie

Ein sperriges Wort für die Hemmung, Entscheidungen zu treffen, trotz einer erkennbaren Notwendigkeit.

Kairophobie bezieht sich auf die altgriechische Gottheit Kairós, die den richtigen Moment de Handelns versinnbildlicht.

Kairophobie ist ein der Prokrastination verwandtes Verhalten, das typisch ist für Individuen oder gesellschaftlich Gruppierungen, deren vorrangiges Interesse nicht die Veränderung, sondern das Verharren im Bestehenden ist. Sie findet sich in Einzelpersonen wie auch in Teams und Gremien, in Wirtschaft, Politik, Verwaltung, internationalen Organisationen, Parteien, NGOs etc., und sie nährt sich aus Entscheidungsmechanismen („ehernen Gesetzen“), die den Weg zu grundlegenden Veränderungen erschweren oder versperren. Sie sind vor allem dort zu finden , wo eine Zusammenarbeit auf mehreren Ebenen und durch unterschiedliche Akteure und unter unterschiedlichen bürokratischen Rahmenbedingungen erforderlich ist.

Krisenbedingte, generationelle oder wissenschaftliche Fortschritte können sich oft deswegen nicht ausreichend schnell durchsetzen, weil die sich daraus ergebenden neuen Strukturen nicht mit den bestehenden Richtlinien oder Strukturen kompatibel sind, und die Beharrungskräfte mächtiger sind als die Überzeugung, dass Veränderung jetzt vorangetrieben werden sollte.

Ein aktuelles Beispiel der 2020er Jahre kann die durch die Pandemie sichtbar gewordene Notwendigkeit einer konsequenten Digitalisierungspolitik im Bildungssystem sein: Während einerseits die Zwänge der Hygieneerhaltung eine Verstärkung der digital-medialen Unterrichtung erfordern, sind bestandserhaltende Kräfte einer allgemein beschleunigten Digitalisierung im Weg: Materielle Defizite (schnelles Internet, fehlende Hardwareausstattung, unzureichende technische Grundausstattung), politische und verfassungsbedingte Strukturen (Tarifverträge, Bildungs-Föderalismus), Verwaltungsstrukturen, aber auch soft-skills  wie Überzeugungen, „Mind-Set“, Kenntnisstand, Vertrauen …).

Überwindung von Kairophobie

Für die Kairophobie gilt wie für die Prokrastination: Vor der „Lösung“ steht der „Plan“. Da die Voraussetzungen für eine kollektive Entscheidungshemmung letztendlich menschengemacht sind (und nicht selten von Menschen, die ihrerseits erledigungs- oder entscheidungsgehemmt sind), kann ein erster Schritt der Annäherung an eine kairophobische Situation über den LEZ GO!©-Prozess erfolgen, um hierdurch die jeweils nötigen Vorgehensweisen zu sortieren: Analyse und Erhöhung des aktuellen Kenntnisstandes, Bewusstmachen und Nutzen des Vorhandenseins von Erfahrungen, Erwartungen und Überzeugungen (eherne Gesetze), auch der emotionellen Gemengelage; Abgleichung und Koordinierung von Zielsetzung und Zielbeschreibung, Absicherung der motivatorischen Grundlage; Vergewisserung darüber, wie eine Institution, eine Organisation, ein Gremium „gesund“ agieren kann: durch innere Übereinstimmung, Zukunftsorientierung, Reagibilität und vorausschauendes Handeln; Überprüfung innerer Strukturen, der Kohärenz von Anweisungen und Richtlinien, Delegierungen und Verantwortlichkeiten.

Auch bei der Überwindung von Kairophobie als grundlegendes Verhalten gilt, damit ein nachhaltiger Erfolg eintreten kann, dass Gründlichkeit des Veränderungsprozesses vor Schnelligkeit geht.

Weiterführende Informationen: pro-cras Prokrastinations-Beratung: info@pro-cras.de, fix: 0211 999 1656, mobil: 01520 988 7 966