Der LEZ GO!©-Fragenkatalog

Der LEZ GO!©-Check ist ein Selbstbefragungsprozess, der in geordneter Introspektion Auskunft darüber gibt, welche äußere Umstände oder inneren Haltungen in uns den Drang zum Aufschieben auslösen. Er ist kurz und leicht verständlich gehalten, so dass du ihn praktisch in Minutenschnelle immer dann einsetzen kannst, wenn sich ein Aufschiebereflex ankündigt.

Der Fragenkatalog

Nimm dir 10 Minuten Auszeit an einem ungestörten Ort, lege dir etwas zum Notieren bereit, und richte deine Aufmerksamkeit auf das Thema, bei dem der Aufschiebereflex droht. Fühle und denke dich hinein, und stelle dir die Fragen, die zu den 6 Aspekten des LEZ GO!©-Checks gehören, wie du es im folgenden Beispiel findest. Wo immer etwas Bemerkenswertes auftaucht, notiere es, vielleicht schon mit einer ersten aufkommenden Antwort, mach dann weiter und kümmere dich schließlich darum, die nötigen Konsequenzen zu ziehen:

L

Gibt es vielleicht, bevor du frei und ungehemmt mit deinem Projekt anfangen kannst, noch etwas Wichtiges, das du lernen solltest, fehlen Fähigkeiten oder Fertigkeiten, Informationen, Instruktionen? Bist du sachlich/fachlich der Herausforderung gewachsen? Mit welchen zusätzlichen Kenntnissen würdest du deinen Verzögerungsreflex nicht erleben? Welche deiner liebsten Begabungen hast du noch nicht einbringen können?

E

Erinnert dich an deinem aktuellen Projekt etwas in negativer oder belastender Weise an ein früheres, ähnliches Geschehen? An ungute alte Erfahrungen, aus denen sich heute ebenso ungute Erwartungen ableiten? Kommen Emotionen auf, für die du vielleicht erstmal keine Erklärung hast, die aber vielleicht körperlich ausdrücken – in Übelkeit, Kopfdruck, Schwindel oder anderem? Emotionen, die du auf keinen Fall so noch einmal erleben willst? Prokrastinieren schiebt sehr oft einen schützenden Abstand zwischen dich und das, was ganz bewusst oder auch unbewusst dir bedrohlich erscheint. Genauso aktiv, wie eine freudige Erwartung dich alle Schwierigkeiten meistern lässt, können ungute Gefühle dich bis zum völligen Stillstand ausbremsen. Es ist hilfreich sie beide kennen zu lernen. Und deinen positiven Erwartungen einen neuen Raum zu öffnen.

Z

Entspricht das, was du vorhast, exakt deinen Zielen? Hast du Vorbehalte? Oder keine klare Zielbeschreibung? Folgst du fremden Zielen? Kannst du deswegen keine Motivation entwickeln? Überprüfe, ob dein Ziel wirklich SMART ist, also ausreichend spezifiziert, messbar, realisierbar, attraktiv und terminiert? Es ist hilfreich, dabei ehrlich mit dir umzugehen. Denn unklare Ziele führen immer zu unklaren Ergebnissen. Und auch vor denen will dich dein Prokrastinieren verschonen. Klare und zu dir passende Ziele sind die starken magnetischen Kräfte, die dich durch die unvermeidlichen Frustrationsmomente manövrieren.

Aber Vorsicht: Wenn deine Absicht noch unklar ist, ist es sinnlos, nach smarten Zielen zu suchen. Zielformulierung ist ein rationaler Prozess, deine Absicht aber sucht zunächst emotionale Unterstützung, die von der smarten Zielformulierung vernachlässigt wird.

Absichts-wirksame Ziele ist stark affektbetont, formuliert daher nicht in einer abstrakten Zukunft, sondern gemäß dem heutigen Wunschdenken, benutzt eine bildhafte Sprache und betrachtet die innere Verfassung, die erzielt werden soll.

Es mag auffallen, dass das Z-Wort Zeit nicht hier zu finden ist, es sich vielmehr unter O als Aspekt von Organisation und Ordnung einreiht, was aber durchaus plausibel ist. Unser Verständnis von Zeit und unser Umgang mit ihr unterliegt einem individueller Rhythmus, der durchaus (etwa für den Prokrastinierenden) in Unvereinbarkeit mit den ordnenden Vorgaben seiner Umgebung oder seiner unbewussten Taktgeber stehen kann.

G

An deine Gesundheit hast du im Zusammenhang mit dem Aufschieben vielleicht noch nicht gedacht. Und doch gibt es eine direkte Verbindung zwischen deiner Gesundheit, deiner körperlichen und geistigen Energie und deiner Bereitwilligkeit, aufzuschieben. Also: Hast du genug und ungestörten Schlaf, stören Allergien, Unverträglichkeiten, Medikamente, Drogen oder Stress deine Konzentrationsfähigkeit, spielen deine Organe mit, und ist dein mentales Potenzial für das, was du vorhast, gut gerüstet? Hartnäckiges Aufschieben wichtiger Aktivitäten kann auch in gelegentlich nicht erkannten Krankheitsbildern auftreten wie: Schilddrüsenfehl(-unter)funktion, Pfeiffersches Drüsenfieber, Fatigue (anhaltende Müdigkeit, Erschöpfung, Antriebslosigkeit), CFS (neuroimmunologische Erkrankung des Immunsystems und des Energiestoffwechsels), Vitamin B12-Mangel, Blutarmut u.a.

Manchmal ist Prokrastination die besondere Art, in der dein Körper mit dir spricht. Es ist sinnvoll, hinzuhören, und es ist gut zu wissen, dass alles in Ordnung ist!

O

Organisation und Ordnung sind tragende Umgebungskomponenten, die du absichern solltest, wenn sie dein Projekt nicht unterstützen. Sie sollen die Struktur geben, in der du kreativ werden kannst. Zu ihnen gehören so wichtige Größen wie die inhaltliche Planung des Projektes, Planung des zeitlichen Umfangs und der Einzelschritte, in die du es aufteilen wirst, Planung des Budgets, Planung und Zustand der Örtlichkeiten, des Materials und des human networks: Andere Menschen spielen bei deinem Vorhaben eine wichtige aktive, begleitende, tragende oder manchmal auch störende Rolle. Sind sie für dich da, oder stören und sabotieren sie dich?

Unter dem Begriff „Zeitmanagement“ wird gerne der Umgang mit der Zeit so verkürzend zusammengefasst, dass wir nicht mehr wahrnehmen, ob wir von unserer subjektiv erlebten „Eigenzeit“ oder der rhythmisierenden Einteilung sprechen, die eine Umgebung oder ein Projekt uns vorgibt, und mit der wir uns als Teil dieser Umgebung synchronisieren müssen – wenn wir nicht prokrastinieren wollen.

!

Immer meldet sich etwas angeblich sehr Dringendes, das dich in deinem Vorhaben unterbricht. Auch Kleinigkeiten wie etwas Klingeltöne können dich aus dem Arbeits-Flow bringen, geschweige denn ganze Ausflüge hinaus in die Welt der Medien, und es braucht unendlich lange, wieder zurück und in den Arbeitsfluss zu kommen. Tu dir also selbst den Gefallen: Du kennst dich am Besten! Nimm wahr, was dich da aus deinem Rhythmus bringen konnte, notiere es, um seine Bedeutung anzuerkennen und um es nicht aus dem Auge zu verlieren, und dann lass es jetzt los und setze dein Projekt fort. Erinnere dich daran, wie unangenehm es dich selbst berührt, wenn du irgendwo mit einem Anliegen vorsprichst, und ständig kümmert sich dein Gegenüber mehr um eingehende Telefonate als um dich. Dein aktuelles Projekt ist wichtiger als jeder Klingelton!