das Alter entscheidet über Patt oder Matt

Selten bleiben die Dinge, was sie zu sein scheinen

 Schon beim zweiten Hingucken haben sie sich verändert, weiter entwickelt und dabei eine neue Richtung und Dynamit bekommen. Das menschliche Verhalten macht da keine Ausnahme, und auch ein Aufschiebeverhalten bewegt sich innerhalb des Betroffenen „dynamisch“, von mehreren Attraktoren angezogen oder abgestoßen.

Zwei Seelen – ach …

Menschliche Willensfreiheit und Entscheidungsfindung sieht sich immer wieder unterschiedlichen, auch gegensätzlichen Interessenlagen ausgesetzt. Wir können das begrüßen oder bedauern – auf jeden Fall müssen wir uns damit auseinandersetzen. Denn es kann durchaus vorkommen, dass sich solche Prozesse verhaken. Dann wird die Entscheidung oder die Erledigung zunächst einmal vertagt – prokrastiniert.

Patt oder matt – eine Frage des Alters

Die „Psychodynamik“, d.h. der fortschreitende Ausgleich innerseelischer Interessen, spielt sich vor allen zwischen zwei gleichzeitig wirksamen, aber zueinander widersprüchlichen Bestrebungen ab.

Da sind zum einen die „älteren“, konservativen Kräfte in uns, die der „Anpassung“ an Traditionen, Regeln und Normen gehorchen wollen, und dies auch von anderen und insbesondere von uns selbst erwarten. Diese archaischen Kräfte sind über Generationen anerzogen, weitergegeben, bestärkt und belohnt worden. Sie achten tief in uns darauf, dass wir uns sich nicht zu weit von übernommenen und überkommenen Traditionen entfernen. Sollte es doch passieren, erfasst uns ein Unbehagen, das sich zum Beispiel als Zurückschrecken vor Neuem, in einer Handlungs- oder Entscheidungslähmung äußern kann.

Auf der anderen Seite stehen die „jüngeren“ Kräfte, die sich emanzipieren und nach Werten wie Selbststeuerung, Authentizität und Selbstverantwortung streben. Auch ihr Vorpreschen stößt irgendwann auf den Moment des Zurückschreckens, bekannt auch als „Schiss vor der eigenen Courage“.

Bewegung („Dynamik“) kennt also immer das Moment des Zögerns. Wenn dies sich nun auf beiden Konfliktseiten gleichzeitig einstellt, ist die Entscheidungsfindung nachhaltig blockiert, und die Lösung wird „auf morgen“ verschoben.

Unklare Gemengelage

Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen heraus einen wichtigen roten Faden in ihrem Leben loslassen mussten (eine Bezugsperson, einen Orientierungswert, ein berufliches oder privates Ziel) finden sich häufig in einer solchen Patt-Situation, in der sich die Kräfte gegenseitig neutralisieren, Antrieb und Richtung noch keine neue Ausrichtung finden können. Reste alter Motivationen und Emotionen kreuzen sich mit neuen Wünschen und Notwendigkeiten, und es bleibt unklar, wie es weitergehen soll.

Nicht nur Schiedsrichter

 Hier kann ein Coach als Moderator zwischen den sich zeigenden Interessen, als Koordinator von konkurrierenden Fähigkeiten, Wünschen und Möglichkeiten herangezogen werden. Der psychodynamische Konflikt, wenn er denn zielführend genutzt werden soll, darf nicht sich selbst überlassen werden. Auch beim Schachspiel wird die Patt-Situation bei nicht produktivem Auf-der-Stelle-Treten abgebrochen. Spätestens hier könnte der Coach bei der Klärung der psychodynamischen Konflikte zur Seite stehen. Und aus der Symptomatik der Prokrastination, des Nicht-Entscheiden- und -Handelnkönnens die Anlage eines neuen roten Fadens unterstützen.