Achtsamkeit ersetzt Prokrastination

Spüren, was es zu erleben gibt

Gewinnen ist schön –

verlieren weit weniger. Weil es mit vielerlei ungeliebter Emotionen und Gedanken verbunden ist: Beschämung, Trauer, Enttäuschung, Neid, um nur ein paar zu nennen. Und trotzdem: Wer gewinnen will, wer dieses Gefühle von Stolz, Großartigkeit, überwältigender Freude spüren will, wird das Risiko, auch verlieren zu können, auf sich nehmen. Als Preis für die Chancen, die sich ihm eröffnen. Wer diesen Preis nicht zahlen will, kann nicht ernsthaft gewinnen wollen. Denn das Risiko, zu verlieren, ist die andere Seite ein und der selben Medaille. Schauen wir uns also auch ds Verlieren an – nicht in einem flüchtigen Seitenblick, sondern sehr genau, als das, was es wirklich ist.

Verlieren ist wie gewinnen:

unser Gehirn macht daraus ein großes Knäuel aus Gedanken und Gefühlen, die wir erleben, und die wir sogar glauben, körperlich zu spüren, und die wir in der Regel mit recht eindeutigen Bewertungen belegen: das tut so gut!, oder: mir geht es schlecht damit! Doch Vorsicht: Was wir da spüren – das Hochgefühl des Sieges oder dieses Niederschmetternde des Verlierens – beides ist nicht der Sieg oder der Verlust selbst, sondern allenfalls eine Art gedanklicher oder emotionaler Abdruck, mit dem Gewicht eines Schattens allenfalls. Dieser Abdruck gefällt uns – oder missfällt uns -, weil uns das damit verbundene Gefühl diesen Eindruck hinterlässt. Der auslösende Sieg oder die auslösende Niederlage sind zunächst einfach nur Geschehnisse unseres Lebenslaufs. Die glänzende oder auch dunkle Einfärbung kommt erst später hinzu: aus dem (meist unbewussten) Abgleich mit unseren bisher gemachten Erfahrungen.

Prokrastination ist Fischen im Verlieren

Wer nachhaltig etwas aufschiebt versucht meistens, das Erleben eines unguten Gefühls, das er aus ähnlichen Situationen kennt, abzuwenden. Natürlich kann das nicht gelingen, denn das fragliche Thema ist ein Teil seiner Lebensrealität und kann insofern nicht anders, als immer und immer wieder aufzutauchen – und jedem Mal etwas heftiger. Und weil es immer wieder aufgeschoben wird, wird schließlich ein gewohnheitsmäßiges oder gar zwanghaftes Aufschieben daraus.

Wir schlagen einen anderen Weg vor:

Anschauen, was ist

Unliebsame Situationen lassen Gedanken aufkommen, die wir schnell wegwischen wollen – vor allem aber auch Gefühle, die oft noch schmerzlicher sind. Und während wir die Gedanken über die Hintergründe unseres Aufschiebens noch „wegrationalisieren“ können, haben wir mit den üblen Gefühlen echt ein Problem: Sie wirken sich unter Umständen auch körperlich aus: Uns wird übel, die Knie oder die Hände kündigen die Zusammenarbeit, der Körper wehrt sich mit allen Mitteln gegen die scheinbare Bedrohung.

und akzeptieren

Achtsamkeit heißt: Mit Interesse, mit Wohlwollen, mit aller Aufmerksamkeit unser Wunderwerk von Körper dabei zu beobachten, wie er in der Vergangenheit nach Vergleichbarem sucht, um uns in der Gegenwart zu beschützen. Er weiß ja noch nicht das, was wir inzwischen gelernt haben: dass im vorliegenden Falle der angelegte Bewertungsmaßstab gänzlich untauglich ist. Mit unserem ACT-Training wird dieser Automatismus erstmalig unterbrochen! Wir dürfen die Situation als das sehen, was sie ist: Eine aktuelle Aufgabe, ein Projekt, für dessen Erledigung wir eine Vielzahl von Ressourcen greifbar oder in unserer Nähe haben. Und als ein Vorhaben, dem wir uns, weil es vor uns liegt, mit allen unseren Kräften verpflichten. Losgelöst von allen vorherigen Gewohnheiten, die lediglich in die Sackgasse der Prokrastination geführt haben.