Prokrastination – ein Leben lang?

Bei vielen Prokrastinations-Betroffenen zeigt sich ein vergleichbares Bild:

Die Tendenz zum Aufschieben wird bereits aus der Schulzeit erinnert, sie taucht dann als typisches Reaktionsmuster in vielen späteren Lebenssituationen immer wieder auf, und es scheint „kein Kraut dagegen gewachsen“ zu sein, so das selbst nach vielen Jahren das Verhalten sich nicht „ausgewachsen“ hat. Bis ins gereifte Alter wird immer noch weiter vor sich hergeschoben, wobei es dann sind vielleicht die „letzten Dinge“ sind, die eigentlich dringend geregelt werden sollten, oder lästige administrative Erledigungen, oder unangenehme Entscheidungen, denen man sich nicht stellen mag.

Menschen, die schon ein Leben lang prokrastiniert haben, sehen dieses Verhalten als typischen Teil ihrer Persönlichkeit an, als Charakterzug, den sie sich zugestehen, manchmal belächeln, oft aber auch sich übel nehmen, zumal ein langfristiges Prokrastinieren durchaus einen höchst negativen Einfluss auf die Lebensleistung nehmen kann.

Die meisten der derart Geplagten haben bei der Analyse ihres Prokrastinationsverhaltens herausgefunden, dass sie in ganz jungen Jahren noch durchaus kindlich kreativ, keineswegs besonders ruhig oder zurückhaltend waren, bis sie dann ihre ersten Prokrastinationserlebnisse um das 16. Lebensjahr herum bekamen.

Diese Beobachtung scheint jene Forschungsergebnisse zu bestätigen, dass einerseits zwar der Einfluss der Gene und der Erziehung beim Erlernen der Selbstkontrolle anfangs gleichermaßen groß sein dürfte, dass aber, um Selbstkontrolle überhaupt lernen zu können, bereits eine vorhandene genetische Disposition nötig ist. Prokrastination wird demnach zwar erst nach Abschluss der pubertären Reifephase des Gehirns als selbständiges Reaktionsmuster für die Zukunft erlernt, ist aber bei vielen Menschen schon als ererbte Option in frühen Jahren angelegt. Dass solche Menschen immer wieder bereitwillig auf diese sich aktiv anbietende Option zurückgreifen, ist für sie „normal“, zumindest so lange, wie das frühe Grundmuster seine Kraft behalten darf.

Besonders in den älteren Jahrgängen ist medizin-historisch bedingt häufig eine deutliche Zurückhaltung gegenüber psychiatrischen, psychotherapeutischen oder psychologischen Ansätzen zur Verbesserung des gesundheitlichen Wohlergehens verbreitet, sodass dort oft eine Bereitschaft zur Unterwerfung unter ein unveränderbares Prokrastinations-Schicksal festzustellen ist, an das man obendrein nicht rühren will, weil es als peinlich empfunden wird.

In dem Maße aber, wie die Ergebnisse moderner Gehirn- und Kommunikationsforschung in der Gesellschaft Platz greifen, wird auch erkannt, dass angesichts von „lebenslangem Lernen“ und „Plastizität des Gehirns“ an der Vorstellung einer schicksalhaft unveränderbaren Prokrastinations-Veranlagung nicht mehr festgehalten werden muss.

Im Gegenteil: Genetische Dispositionen sind als Handlungsbereitschaften, aber nicht als Verpflichtungen zu sehen, da sie durch gegenläufiges Verhalten „überschrieben“ werden können – ebenso wie frühe Lernerfahrungen, wenn man sich einer Reorganisation der Lerninhalte unterzieht. Dies trifft in vollem Umfange auch auf das aufschiebende Verhalten zu.

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